23. März 2026
Wenn Ausbildung scheitert
Die duale Berufsausbildung ist eine tragende Säule unseres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems. Für das Handwerk ist sie unverzichtbar, für junge Menschen oft der wichtigste Schritt in ein selbstbestimmtes Berufsleben.
Ein zentrales Thema ist dabei die Stabilität von Ausbildungsverhältnissen. Denn Ausbildungserfolg bedeutet nicht nur einen unterschriebenen Vertrag, sondern vor allem einen erfolgreichen Abschluss.
Als Stiftung setzen wir uns dafür ein, dass dieser Schritt gelingt.

Vorzeitige Vertragslösungen
Von einer vorzeitigen Vertragslösung spricht man, wenn ein Ausbildungsvertrag vor dem vorgesehenen Ende aufgelöst wird. Diese Situation wird häufig als Scheitern interpretiert. Tatsächlich zeigt sich jedoch: Eine Vertragslösung ist nicht automatisch ein endgültiger Abbruch, denn viele junge Menschen setzen ihre Ausbildung in einem anderen Betrieb oder in einem anderen Beruf fort.
Gleichzeitig dürfen wir diese Entwicklungen nicht verharmlosen. Jeder vorzeitige Vertragslösung ist ein Hinweis darauf, dass Erwartungen, Bedingungen oder Unterstützungsangebote nicht ausreichend zusammengepasst haben.
Hohe Quoten und besondere Herausforderungen im Handwerk
Laut dem Datenreport zum Berufsbildungsbericht 2025 wird bundesweit nahezu jeder dritte Ausbildungsvertrag vorzeitig aufgelöst (Vertragslösungsquote von 29,7 %). Besonders im Handwerk liegt die Quote deutlich über dem Durchschnitt (Vertragslösungsquote von 36,5%). Diese Zahlen machen deutlich, wie groß der Handlungsbedarf ist – gerade dort, wo Nachwuchs dringend gebraucht wird.
Aus unserer Sicht sind diese Befunde kein Ausdruck mangelnder Leistungsbereitschaft junger Menschen, sondern ein Signal für strukturelle Herausforderungen, die gemeinsam angegangen werden müssen.
Wenn Perspektiven auseinandergehen
Die Gründe sind vielfältig. Betriebe berichten häufig von unzureichender Vorbereitung, fehlender Motivation oder Leistungsproblemen. Auszubildende hingegen schildern oft Konflikte im Betrieb, fehlende Anleitung oder eine Ausbildung, die ihren Erwartungen nicht entspricht.
Wir erleben immer wieder, dass beide Perspektiven ihre Berechtigung haben und doch aneinander vorbeigehen. Besonders hoch ist das Risiko einer Vertragslösung dann, wenn junge Menschen aus Mangel an Alternativen einen Berufswahlkompromiss eingehen mussten.
Die Folgen betreffen uns alle
Für junge Menschen können vorzeitige Vertragslösungen Verunsicherung, Umwege und im schlimmsten Fall den dauerhaften Verbleib ohne Berufsabschluss bedeuten. Für Betriebe gehen Zeit, Ressourcen und Engagement verloren. Für unsere Gesellschaft verschärfen sich die Probleme der Fachkräftesicherung.
Aus unserer Stiftungsarbeit wissen wir: Diese Folgen lassen sich nicht allein durch mehr Ausbildungsplätze lösen. Entscheidend ist, wie Ausbildung gestaltet und begleitet wird.
Begleitung statt Abbruch. Unser Verständnis von Unterstützung
Wir sind überzeugt: Viele Ausbildungsabbrüche sind vermeidbar. Frühzeitige Berufsorientierung, verlässliche Ansprechpartner während der Ausbildung und eine offene Gesprächskultur können entscheidend dazu beitragen, Krisen abzufedern, bevor sie zu Vertragslösungen führen.
Besonders wirksam sind dabei Ansätze, die junge Menschen individuell begleiten und gleichzeitig Betriebe entlasten. Mentoring, Beratung und kontinuierliche Unterstützung schaffen Vertrauen und Stabilität.
Unsere Rolle als Stiftung
Als Stiftung verstehen wir uns als Teil eines Netzwerks, das junge Menschen auf ihrem Weg in die berufliche Zukunft unterstützt. Wir fördern Institutionen, welche Übergänge erleichtern und jungen Menschen Perspektiven eröffnen.
Dabei ist uns wichtig: Ausbildungsstabilität ist keine Einzelleistung. Sie entsteht im Zusammenspiel von Schulen, Betrieben, Institutionen und zivilgesellschaftlichen Akteuren.
Ausblick
Vorzeitige Vertragslösungen werden sich nie vollständig vermeiden lassen. Sie sind Teil eines dynamischen Ausbildungssystems. Entscheidend ist jedoch, wie wir damit umgehen. Lassen wir junge Menschen allein, oder begleiten wir sie durch schwierige Phasen?
Wir sind überzeugt: Zukunft im Handwerk entsteht dort, wo junge Menschen nicht aufgegeben werden. Deshalb setzen wir uns für eine Ausbildung ein, die fordert und gleichzeitig trägt.
